Gibt es einen richtigen Zeitpunkt für eine Trennung?

 

Gleich vorweg gesagt, ich glaube es gibt nie einen richtigen Zeitpunkt für eine Trennung, aber irgendwann fühlt man, dass jetzt der Moment ist wo man gehen muss.

Im Allgemeinen verlieben wir uns, hoffen dass es gut geht und fragen uns zwischendurch immer mal wieder, ob es noch gut ist? Zumindest habe ich mich das im Laufe meiner 12-jährigen Ehe an vielen Stellen gefragt. Oh je, wenn ich richtig ehrlich bin, dann eigentlich schon von der ersten Sekunde an. Hätte ich damals auf mich gehört, wäre vieles vielleicht ganz anders gekommen. Doch wäre es automatisch besser gewesen? Wer wäre ich dann heute?

Doch zurück zum Anfang, denn die Frage die mich viele Jahre begleitet hat war: Soll ich gehen oder bleiben?

 

Er war einfach schon da

Ich lernte M. über meine Freunde kennen, bei denen er gerade das Haus renovierte, in das ich auch nach der Trennung von meinem ersten Mann im Rahmen einer HausWG ziehen wollte. Da mir gefiel, was er machte, bat ich ihn auch meine Wohnung zu renovieren. Meine Freunde tuschelten schon nach kurzer Zeit hinter unserem Rücken. Völlig absurd. Er? Nie im Leben! Wir sind wie Tag und Nacht! Aus heutiger Sicht würde ich sagen, ich hätte meiner Intuition vertrauen sollen.

Irgendwann musste ich dann meine alte Wohnung kündigen und wusste, meine neue würde nicht rechtzeitig fertig werden. So platze es bei einem gemütlichen Feierabendbierchen aus mir heraus: „Tja M., wenn ich hier nicht einziehen kann, muss ich wohl so lange bei dir übernachten“ M. antwortete grinsend: „OK“.
Bis heute frage ich mich, was mich da geritten hat.

Und so kam es. Trotz aller Unterschiedlichkeiten fühlte es sich gut an, wir konnten zusammen lachen und sein kleiner Russell „Jack“ hatte eh schon einen Platz in meinem Herzen.

Wir heirateten – innerlich schrie es „Nein“

Das Leben im Haus war bunt und funktionierte bestens. Doch gab es immer wieder Momente, in denen ich mich fragte: „Was mache ich hier? Bin ich glücklich mit ihm?“ Und je mehr ich mich das fragte, desto dunkler wurde es um mich herum. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Grund genug für eine Trennung?

Mit dem Wissen und den Erfahrungen von heute weiß ich, dass ich meiner Wahrnehmung nicht wirklich traute. Menschen trauen ihren eigenen inneren Gefühlen nicht, weil sie in der Kindheit erlebt haben, dass sich ihre Wahrnehmung nicht mit den Äußerungen der Erwachsenen deckte. Kinder spüren sehr schnell, wenn die Eltern sich z.B. nicht mehr verstehen und ihnen eine heile Welt vorspielen. Damit beginnen sich ihre Wahrnehmungen zu verzerren und es entstehen Zweifel.

Ich blieb und es ging weiter.
Wir reisten, träumten von einem Landhaus, schafften uns weitere Vierbeiner an. Immer mehr Gründe zu bleiben.
Der Traum von der WG wechselte sich ab mit dem Umbau einer alten Waldscheune.
M. ist ein begnadeter Handwerker, doch auch ein absoluter Freigeist. Etwas, was ich im Rückblick völlig unterschätzt habe.

Oft lässt sich eine Trennung darauf zurückführen, dass wir eine Idealvorstellung von unserem Partner in uns tragen und diese nicht mit der Wirklichkeit abgleichen. In der Verliebtheitsphase passt es noch, aber irgendwann kommt der reale Check up und dann sieht es oft anders aus. Eine Klientin sah z.B. viele Jahre in ihrem Partner den geboren Vater, doch als die eigenen Kinder da waren, entpuppte sich das als eine große Illusion. Er war der Verantwortung einfach gar nicht gewachsen.

So war es auch bei uns. Zuerst schien alles gut zu laufen und ich zögerte im ersten Augenblick auch nicht wirklich als unsere Steuerberaterin vorschlug doch zu heiraten – von wegen der Steuer und so. Noch heute sehe ich mich auf dem Standesamt stehen, wie ferngesteuert unterschreiben und lächeln. Innerlich schreit es „Nein“, doch ich ignorierte es.

Ein Phänomen, was ich als Beziehungscoach von vielen meiner Kund*innen kenne. Es gibt in der Rückschau immer einen Moment der Klarheit, wo wir es eigentlich ganz deutlich spüren, aber statt uns zu vertrauen, trotzdem anders handeln.

Die einen nennen es mangelnden Mut, die anderen geistige Umnachtung. Ich nenne es die Abwesenheit der inneren Erlaubnis. Sich zu erlauben einen Rückschritt zu machen, wenn es sich nicht stimmig anfühlt. Ein Versprechen, oder eine Zusage zurückzunehmen kann ein Gefühl des Versagens, der Scham, der Zurückweisung erzeugen und damit etwas provozieren, wovor ich vielleicht selber am meisten Angst habe. Ablehnung.
Wer kennt ihn nicht den Spruch: „Wer A sagt muss auch B sagen“, also wird gelächelt und das anerzogene Muster weiter bedient.

Es braucht in solchen Momenten die absolute Selbstermächtigung, über sich und seinen Weg ganz bewusst selbst bestimmen zu dürfen

 

Und plötzlich war da wieder Liebe – von einem anderen

Aus geplanten 3 Baujahren wurden 6 und kein Ende in Sicht. M. und ich verloren uns immer mehr in Diskussionen Vorhaltungen und Schweigen. Meine inneren Stimmen wurden lauter. „Du musst gehen, er wird dich ruinieren!“ Parallel: „Nein, Trennung ist keine Lösung, ich muss bleiben. Die Tiere, unser zu Hause, wo soll ich denn hin? Bestimmt wird er sich jetzt ändern.“ So vergingen noch ein paar Jahre. Ich blieb. Und verschwand auch zeitgleich.

Wie oft hörte ich von Menschen im Coaching dass sie sich verloren und fremd geworden sind. Jetzt erlebte ich es am eigenen Leibe.

Doch wie kann das sein? Ganz einfach, wenn der Zug rollt, rollt er. Klar gäbe es Haltestellen, aber bevor du rausspringen kannst, schließen sich die Türen längst wieder. Da bleiben oft nur der Hammer und die Notbremse.

Ganz nüchtern betrachtet, ist das ein ganz einfacher Prozess. Wenn ein Gefäß Risse bekommt hält es vielleicht noch eine Weile, aber irgendwann zerspringt es in lauter kleine Einzelteile. Mit jedem Riss verlieren unser Körper, unser Geist und unsere Seele das Zusammengehörigkeitsgefühl, was wir zur eigenen Identität und zur persönlichen Wiedererkennung brauchen.
Das Selbstwertgefühl, das Selbstbewusstsein, die Liebe zu sich selbst, alles bekommt mit jedem ungelösten Streit mehr und mehr Kratzer, aus denen mit der Zeit Risse werden.
Wir spüren es, versuchen es krampfhaft zusammen zu halten, haben Angst haben vor dem Knall und dem danach.
Hier zu erkennen, dass wir mehr sind als dieses Gefäß, als die Risse und all unsere Gedanken und Gefühle, erleichtert total. Es ist ein echtes Vertrauen in sich und das Leben.

 

Ich war bereit zu gehen. Für ihn

Doch plötzlich wurde alles anders.

„Wenn ich das Lachen in deinen Augen sehe hüpft mein Herz vor Freude“
Ein Satz. Eine Mail. Und nichts war mehr so wie zuvor.
Worte die ich von M. so sehr vermisste, schrieb mir nun ein anderer.

Eine Frau erzählte mir in der letzten Sitzung, dass sie sich von ihrer Affäre endlich wieder ganz gesehen fühle. Ja, dachte ich, so ist es.
Sich wieder selbst zu erkennen, zu fühlen man ist noch da. Die eigenen Bedürfnisse wieder zu spüren ist wie ein Erwachen aus einem Tiefschlaf.

Doch ich schlich zuvor nachts heimlich an den Rechner, öffnete mit zittrigen Händen meine Mails und weinte vor Glück. Trotz schlechtem Gewissen und bösen Vorwürfen mir selbst gegenüber, konnte ich mich nicht entziehen. Wie konnte ein fremder Mann nur so eine Macht über mich haben?

Als ich ihn auf Facebook kennen lernte war es, als hätte mich der Blitz getroffen. Völlig unerwartet, unvorbereitet und so gar nicht gewollt. Doch seine Worte umhüllten mich mit einer Sanftheit, wie ich sie nie für möglich gehalten hätte. Ich fühlte mich ihm vom ersten Moment an vollkommen verbunden und weiß noch genau, dass ich sogar in einer Nacht bereit war, meine Taschen zu packen und zu ihm nach London zu fliegen.

 

Wie ein Betrüger mein Leben rettete

Oh Gott, ich war bereit meinen Mann zu betrügen. Das war doch nicht mehr ich?
Nach zwei Wochen erzählte ich einer Freundin davon und zeigte ihr auch ein Foto von dem Mann. Was dann geschah, hätte ich nicht mal in meinen kühnsten Fantasien für möglich gehalten.

Dank der Recherche aufgrund des Fotos, fand meine Freundin heraus, dass es sich um einen professionellen Love-Scammer handelte. Ich war einem Betrüger auf den Leim gegangen! Es zog mir den Boden unter den Füßen weg. Doch es war gleichzeitig auch meine Rettung, denn es öffnete eine Tür in mir und alle verdrängten und nicht gelebten Gefühle, brachen aus mir heraus. Da war sie wieder, die Liebe in mir.

Diese Tür wollte ich nicht mehr verschließen. Ich wollte endlich das, wovon ich meinen Kund*innen täglich erzählte, selbst wieder in vollen Zügen leben. In dem Moment hatte ich den Mut zur Trennung und die Kraft zu gehen.

 

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Ich freue mich auf dich,

Andrea